Donnerstag, 29. Januar 2026

Was ist eine Docke?

Vorstellen aller möglichen Bezeichnungen, die eine Spielzeug Puppe im Laufe der Jahrhunderte hatte. Von Dogge zu Puppe - woher kommt der Name Puppe? Erklären des Begriffs Docke und damit zusammenhängender Begrifflichkeiten. Materialien, aus denen Docken früher hergestellt wurden und deren Weiterentwicklung.

Docke ist der althochdeutsche Name für Puppe. Die Bezeichnungen Docke, Tocke, Tocha oder Tocka haben sich Jahrhunderte lang in Deutschland für kleine Puppen und auch kleine Spielfiguren gehalten. Auch Dogg oder Dogge finden sich in alten Büchern, wenn eine Spielzeug Puppe gemeint ist. 

 

Docken Abbildungen aus einem antiken Spielzeugkatalog
Docken Abbildungen aus einem antiken Spielzeugkatalog

 

Bezeichner im Wandel der Zeiten – Abhängigkeit auch von der Entwicklung der Puppen

Es wird vermutet, dass sich das Wort Docke aus dem urgermanischen Wort dukkon aus germanischen Dialekten entwickelt hat. Der Begriff dukkon wurde wohl für ein Bündel oder für etwas Rundliches verwendet. 

Ab 800 nach Christus ist der Begriff Tocka wohl erstmalig schriftlich für kleine Figuren, Puppen oder Bündel verwendet worden.

Docken als Spielfiguren bestanden zu dieser Zeit vermutlich ausschließlich aus Stroh oder Wolle oder ähnlichen Werkstoffen. Das Material musste ja günstig und gut verfügbar sein. 

 

Docken - unterschiedliche Werkstoffe und die Weiterentwicklung

Docken aus Holz: Lübecker Holzpüppchen 

Die Weiterentwicklung der Docken geschah über das Material, aus dem sie hergestellt wurden. Bei meiner Recherche bin ich auf die Lübecker Holzpüppchen gestossen - diese Holzdocken stammen aus dem 13. Jahrhundert und wurden aus Weichholz geschnitzt.  

Die Puppenmacher, speziell für geschnitzte Holzpuppen hiessen auch Dockenmacher. Du willst wissen, wie ein Dockenschnitzer aussah? Ein Bild eines Dockenmachers bzw. Dockenschnitzers habe ich im Wikimedia gefunden. Es stammt aus dem Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, Band 2. Nürnberg 1550–1791.

Sehr bekannte Vertreter der späteren Holzpuppen sind die Grödnertal Puppen. Sie haben sogar bewegliche Gliedmaßen und wurden in vielen unterschiedlichen Größen hergestellt.

 

Docken aus Ton: Kruseler Püppchen 

Ab dem Mittelalter wurden keramische Docken in Formen gepresst und bei mittelhohen Temperaturen gebrannt und dadurch verfestigt. Die Produzenten waren die Nürnberger Hafner. Hafner ist ein alter Beruf, der sowohl das Herstellen keramischer Produkte aller Art als auch das Ofensetzen erlaubte. 

Im Mittelalter war Nürnberg eine Hochburg der Dockenmacher. Die dort gefundenen Tondocken aus dem 14. Jahrhundert sind ca. fingergroß. Es gibt schriftliche Nachweise, dass es bereits so früh Dockenmacher in Nürnberg gab. 

Das war eine echte Serienherstellung - vermutlich war der Bedarf an Tondocken damals bereits sehr hoch und es wurde damit gehandelt. Zu bewundern sind diese fingerlangen Docken aus weißem Ton, die Wickelkinder, Frauen mit Rüschenhauben und Mönche sowie Reiter darstellen, im Germanischen Nationalmuseum.

In Wikipedia gibt es einen Beitrag zu den mittelalterlichen Tondocken, den Kruseler Püppchen

Beide Docken Varianten - also die hölzernen und die tönernen - wurden vermutlich hauptsächlich für die begüterte Bevölkerung erzeugt.

 

Docken aus Lumpen

Weiterhin spielte die breite Mehrheit der Kinder aber mit günstigen Docken - den sogenannten Lumpendocken. Diese Docken bestanden aus alten Stoffresten, die aus Leinen oder Wolle gewebt waren. 

Aus den Lumpendocken haben sich vermutlich die Stoffpuppen entwickelt. Stoffpuppen wurden später auch vorgedruckt auf Stoffen angeboten. Sie mussten dann nur noch ausgeschnitten und zusammengenäht werden. Es gab Vorschläge, wie die Frisuren aus Wolle gefertigt werden konnten. Und für die Bekleidung kamen selbst gehäkelte, gestrickte oder aus Stoffresten genähte Kleidungsstücke in Frage.  

 

Docken aus Papiermachè

Ab dem 17. Jahrhundert kamen Docken auf, die aus Papiermachè hergestellt wurden. Anfangs wurden die Papierdocken komplett aus diesem Material in Formen gedrückt, später waren die Köpfe auch aus einem anderen Material wie Wachs oder Porzellan. 

Papiermachè wird bis heute verwendet, um Puppenkörper herzustellen. Das Material ist günstig und relativ leicht zu verarbeiten. Obwohl die Puppenköpfe und auch die Puppenkörperteile hohl gefertigt werden, sind die Puppenteile erstaunlich haltbar. Die Gliedmaßen sind meist beweglich und werden über Gummikordeln miteinander verbunden.

 

Docken aus Brotteig

Brotteig wurde mit Bindemitteln gemischt und dann in Formen gedrückt. Die Formen waren vermutlich ähnlich der Formen für die Papierdocken. Die Brotteigdocken waren vor allem dem Nagetierfraß ausgesetzt und dadurch nicht sehr haltbar. Vermutlich waren sie auch nicht besonders feuchtigkeitsresistent und auch Schimmel könnte sie zerstört haben. 

Mir ist keine Weiterentwicklung der Brotteigdocken bekannt. 

 

Docken aus Tragant

Auch der eßbare Tragant wurde in Formen gedrückt und dann bemalt. Tragant wurde früher auch für die Erzeugung von Christbaumschmuck und für die Erzeugung von Schaugerichten für Puppenstuben und Kaufläden verwendet. Auch die Tragantdocken waren nicht sehr haltbar. 

 

Docken aus Wachs

Bienenwachs wurde nicht nur zur Herstellung von Christbaumschmuck sondern auch noch zur Herstellung von Wachsdocken eingesetzt. 

Bekannt sind auch die späteren Wachskopfpuppen und die Krippenfiguren, die mit Wachsköpfen ergänzt wurden. Um einen besonderen und naturnahen Teint zu erzielen, gab es auch eine Methode, Porzellan Puppenköpfe in Wachs zu tauchen und sie so mit einer dünnen Wachsschicht zu überziehen.

 

Wie aus der Docke dann die Puppe wurde

Pupa oder Poupée - lateinischer oder französischer Einfluss 

Wie so viele Begriffe kam auch der Name Puppe aus dem Lateinischen. Pupa heißt Puppe. Auch das Französische hat mit Poupée vermutlich einen Einfluss auf die Entstehung des deutschen Wortes Puppe gehabt. 

 

Docke noch vereinzelt in Dialekten in Süddeutschland gebräuchlich 

Der Namenwandel erfolgte im 15. Jahrhundert und das Wort Puppe hat sich weitestgehend durchgesetzt. Heutzutage gibt es den Begriff Docke bzw. Docka noch regional in den Dialekten in Süddeutschland.

 

Docka in Schweden 

Docka ist der schwedische Name für Puppe. 

 

 

Von Dockenkücken und Dockenkästen

Dockenküchen 

Dockenküchen sind Puppenküchen. Du kannst dir hier auf meinem Blog eine Illustration einer antiken Dockenküche angucken. 

Und hier habe ich ein Gedicht von 1843 vorgestellt: Was in der Dockenküche sein muß. Das ist so eine Art Checkliste für Dockenküchen Zubehör. 

Einige meiner Blogposts zeigen auch originales Zubehör aus Dockenküchen wie: 

 

Dockenkästen 

Das sind Puppenkästen und somit Puppenhäuser oder Puppenstuben.

Modernere Varianten von Dockenkästen findest du auf meiner extra Seite:

Ganz viel Freude mit euren Docken

eure Bastrota

 

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